[Rezension] The Unbecoming of Mara Dyer (Teil 1 der Trilogie)

Inhalt

Mara Dyer erwacht in einem Krankenhaus und kann sich nicht mehr an die Geschehnisse erinnern, die sie dorthin befördert haben. Sie weiß nur, dass ihre beste Freundin Rachel sowie ihr Freund Jude und seine Schwester Claire nicht mehr am leben sind.

Um Abstand von dieser Tragödie zu nehmen zieht ihre Familie an einen anderen Ort. Es soll ein Neuanfang für alle beteiligten werden. Doch unerklärliche Morde begleiten Mara, die seit dem Unfall an Halluzinationen leidet. Und dann ist da noch dieser Junge, Noah.

The Unbecoming of Mara Dyer Band 1

von Michelle Hodkin

Michelle Hodkin ist eine amerikanische Schriftstellerin. Vor ihrer Karriere als Autorin arbeitete sie als Anwältin, spezialisiert auf die Unterstützung von Terror Opfern. Ihre momentane Bekanntheit verdankt sie der Trilogie über Mara Dyer.

Rezension

Der eigentliche Klappentext (nicht meine kurze Zusammenfassung des Inhalts von gerade eben) verspricht einen raschen Sprung in die Handlung. Viel Spannung und Übernatürliches. Doch gerade zu Beginn zieht sich die Geschichte enorm.

Mara Dyer ist etwas anstrengend, aber das ist für einen Teenager, der gerade seine beste Freundin verloren hat, wohl mehr als verständlich. Sie lässt niemanden an sich ran, erzählt zu Beginn niemandem von ihren Problemen. Ihre toten Freunde begegnen ihr im Spiegel oder auf dem Schulhof.

 Which meant that I’d had three hallucinations in less than three hours. Which wasn’t good. 

Man erhält oft das Gefühl, dass sie gar nicht wirklich über etwas nachdenkt. Weder bevor sie redet, bevor sie etwas tut, noch wenn etwas passiert.

Wie an jeder neuen Schule ist der 1. Tag auch bei Mara nicht der leichteste. Obwohl sie anscheinend eher unscheinbar ist fällt sie sofort dem Biest der Schule zum Opfer. Alle Mädchen scheinen sie nicht leiden zu können. Und der Schwarm der Schule (für Mädchen und Jungs gleichermaßen) interessiert sich für sie. Klischee hoch 10 !

Generell merkt man beim Lesen wie viele YA Klischees eingebaut sind. Die Dialoge hat man gefühlt 100 Mal in diesem Zusammenhang gehört. Von nervig bis kitschig ist alles dabei, aber romantische Gefühle kommen beim Leser nicht unbedingt auf.

Die eigentlichen Morde passieren zwar relativ schnell, aber Mara setzt sich nicht mit ihnen auseinander. Sie kümmert sich weder um ihre psychischen Probleme noch darum, dass anscheinend die Leute um sie herum wie Fliegen sterben. Das einzig wichtige ist Noah. Noah hier, Noah da…

 Noah, despite you being an asshole, or maybe because of it, I’d like to rip off your clothes and have your babies. 

Ich als Leser musste da schon das ein oder andere Mal das Buch zuklappen. Ich vertrage ein bisschen Romanze, ein bisschen Naivität der Hauptperson. Aber es ist definitiv zu viel des Guten bei Mara Dyer. Leute sterben Mara! Dein Nachname ist ein wunderbarer Wortwitz.

Auch in Verbindung mit Noah merkt man, dass er auch nicht ganz „normal“ zu sein scheint. Manchmal zieht man ohne es zu wollen Verknüpfungen zu Edward aus Twilight. Das schüchterne Mädchen verknallt sich in den coolen, undurchschaubaren Typen, der von allen Beachtung geschenkt bekommt und der ausgerechnet in ihr seine Seelenverwandte sieht. Boohoo.

 Noah placed his forefinger above my upper lip and his thumb below my bottom lip, and applied the slightest pressure, cutting me off. 

Was ist denn das für ein Satz? Wer macht sowas? Wieso macht man sowas? Den Satz hab ich oft gelesen, auch oft in TV Serien gesehen. In der Wirklichkeit aber weder gesehen noch von irgendjemandem gehört. Argh!

Eine weitere wichtige Figur ist Jamie. Maras erster (und abgesehen von Noah auch einziger) Freund an der neuen Schule. Der darf irgendwann nicht mehr die Schule betreten (wieso verrate ich jetzt mal nicht). Danach wird er einfach nicht mehr erwähnt. Aus den Augen aus dem Sinn. Finde ich persönlich etwas schade. Vor allem, wenn man weiß warum er überhaupt die Schule nicht mehr betreten darf!

Bonus

Fangen wir mal mit den kritischen Bewertungen von anderen Lesern an. Dann versteht man nicht mehr wieso es viele Leser gibt, die für dieses Buch volle, positive Wertungen abgeben:

Was am meisten stört sind, wie auch bei mir, die Klischees. Die Autorin hatte so viele Möglichkeiten aus diesem Buch keine typische YA, Schnulzenromanze zu machen. Sie hat sich dennoch entschlossen jedes mögliche, bereits bekannte, Klischee auszuleben. Dabei geht sie aber nicht mal in die Tiefe, sondern behandelt alles relativ oberflächlich.

Viele stören sich außerdem an den Charakteren. Mara erscheint nicht formvollendet, Noah ist eher zu dominant. Verglichen wird The Unbecoming of Mara Dyer mit Twilight und Fallen (dazu kommt ja demnächst der Film raus). Das große Potential der Geschichte, das Übernatürliche, wird für eine Liebesgeschichte beiseite geschoben. Das verärgert vor allem die etwas älteren Leser (18-25+). Mara hat weder viele Freunde, noch tut sie überhaupt irgendetwas anderes nach der Schule.

Im Vergleich zu den ausführlich beschriebenen kritischen Rezensionen sind die sehr positiven unglaublich klein gehalten. Man liest die ganze Zeit nur, wie „toll“ das Buch ist, aber wieso es so toll ist wird nicht beschrieben. Das Buch ist toll, die Charaktere sind toll, die Handlung ist toll. Ganz toll.

Fazit

Im großen und ganzen war das Buch eindeutig zu lang. Es hat mich auch nicht mitgerissen. Der Schreibstil ist irgendwie merkwürdig. Auch hatte die Autorin manchmal keine Lust die Sätze auszuschreiben und hat auf einmal angefangen Sachen stichpunktartig aufzulisten.

Die Geschichte an sich hat aber wirklich Potential, was vielleicht mit den Fortsetzungen aufgegriffen wird. Wobei auch die Szenenwechsel in diesem Teil abrupt passieren und so keinen ruhigen Lesefluss ermöglichen. Vielleicht ist das in den Fortsetzungen auch besser umschrieben.

Die Lobpreisungen kann ich nicht verstehen. Dafür mangelt es an zu vielen Stellen und wirkt nur hingeklatscht. Teenager brauchen ja kein Niveau, Hauptsache ein bisschen Spannung hier und etwas Liebe da und das schön verpackt mit einer unscheinbaren, netten Hauptperson. /s

Die Fortsetzungen werde ich wohl trotzdem mal lesen. Rein aus Interesse, ob es eventuell doch besser wird. Den Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen zufolge sind die anderen Teile der Buchreihe nämlich um weiten besser.

Eventuell hast du eine andere Erfahrung mit dem Buch gemacht? Vielleicht doch ein paar positive Aspekte, die du mir gerne mitteilen magst ?

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