[Informatives] Entscheidungshilfe: Self-publishing oder Verlag?

Entscheidungshilfe Self-Publishing - (Quelle: negative space / pexels.com)
Entscheidungshilfe Self-Publishing – (Quelle: negative space / pexels.com)

Dein Buch liegt fertig gestellt bereit, oder du bist kurz davor dein Werk zu vollenden. Dann kannst du ja jetzt all den großen Verlagen schreiben und darauf hoffen, dass irgendwer an deine Künste glaubt und es veröffentlicht. Es wäre aber einfacher es selbst zu veröffentlichen, oder nicht? Natürlich! Damit das auch klappt informiere ich dich in diesem Beitrag über Vor- sowie Nachteile und die zahlreichen, zu beachtenden Facetten rund um das Thema „Self-publishing“.

Warum ist Self-publishing eine Alternative?

Die meisten großen Verlage erhalten täglich eine Handvoll an Manuskripten, meist sogar mehr. Alle stammen von Menschen, die die gleichen Ziele verfolgen wie du es auch tust: den Traum des Autorendaseins erleben. Mehr noch,  davon leben können. Aus diesem Grund kann es durchaus vorkommen, dass dein Manuskript nicht die Beachtung oder Chance erhält, die du dir wünschst.

Mit der Selbstveröffentlichung nimmst du alles in die eigenen Hände. Dich erwarten keine Einschränkungen, keine Änderungsvorschläge oder langatmige Verhandlungen über das Honorar. Dafür schulterst du aber auch mehr Verantwortung sowie damit verbundene Anstrengungen. Die kannst du auch nicht an jemanden weiterreichen (außer natürlich du spannst Familie und Freunde mit ein).

Was genau musst du alles übernehmen, was an anderer Stelle ein Verlag tun würde?

Die meisten Autoren, die einen Verlag hinter sich stehen haben, wissen oft nicht genau, was dieser für sie tut. Man hat ja schon das Buch geschrieben, mehr kommt da ja nicht. Bis zur erfolgreichen Veröffentlichung ist das Schreiben jedoch das Einfachste. Der Verlag kümmert sich zu allererst um die Korrektur des Manuskripts. Das Lektorat beschäftigt sich intensiv mit der Grammatik und Rechtschreibung. Aber auch der Inhalt kann abgeändert und angepasst werden. Denn was genau bei potentiellen Lesern ankommt, das wissen einerseits Experten, andererseits die Lektorats- und Verlagsmitarbeiter.

Ein größeres Unterfangen ist das Marketing. Die Werbetrommel sollte nämlich schon vor der Veröffentlichung des Buches gerührt werden. Die verschiedenen Methoden kennen dabei keine Grenzen. Wahrscheinlich sind dir selbst schon ein paar Ideen gekommen? Doch die Umsetzung ist da etwas schwieriger. Die wichtigsten Faktoren, die du beachten solltest: Geld, Zeit und Aufwand

Self-Publishing Marketingmaßnahmen
Self-Publishing Marketingmaßnahmen (Quelle: evewanich / pixabay.com)

Als kleines Beispiel: vor nicht allzu langer Zeit habe ich, beim Schlendern durch die Stadt, einen Abreißzettel an einer Säule kleben sehen. Dort wurde ein Buch angeworben, welches in naher Zukunft erhältlich sein wird. Bei Interesse konnte man sich ein Stück des Papiers abreißen, das Information zum Buch, Autor und einer Webseite beinhaltete.

Schöne Idee, auch weil dieser Einfall nicht oft vorkommt. Zugleich man Abreißzettel relativ günstig herstellen kann. Der Zeit- und Aufwandsfaktor ist hier aber deutlich höher. Alle Abreißzettel müssen selbst angebracht werden. Und dies dann auch nur an erlaubten Stellen. Du willst ja nicht gleich negative Aufmerksamkeit auf dich lenken! Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit  relativ gering, dass zufällig genug Leute vorbeilaufen, die dein Werk auch interessiert.

Als kleine Übersicht hilft dir am besten eine Tabelle möglicher Ideen zur Vermarktung:

Was kannst du tun?Was genau ist das?Wie hoch ist der Aufwand?
Webseite und/oder Blog Durch das Erstellen können potentielle Leser Informationen über das Buch und über dich einholen.Geld musst du nur investieren, wenn du die Domain kaufen möchtest. Ansonsten gibt es kostenfreie Seiten. Der zeitliche Aufwand ist hoch, da die Webseite bzw. der Blog ansprechend gestaltet und mit Inhalt gefüllt werden muss.
GiveawaysDu kannst Exemplare an bestimmte Buch-Blogger schicken, die dein Werk dann lesen und öffentlich bewerten. Außerdem kannst du Gewinnspiele auf speziellen Seiten, wie z.B. Goodreads starten. Dadurch erhältst du aufmerksam und siehst zugleich, durch die Teilnehmerzahl, wie viele sich für dein Werk interessieren.Hier ist der Aufwand mittelhoch zu bewerten. Giveaways können schnell gestartet werden und das Verschicken der Exemplare ist, je nach Druck, unterschiedlich hoch.
LeserundenDiese sind meist nach der Veröffentlichung. Frage am besten bei Bibliotheken, Buchhandlungen oder Szenencafés nach, denn diese halten oft Veranstaltungen ab.Geld muss nicht investiert werden, außer du möchtest nach den Leserunden Bücher verkaufen. der zeitliche Faktor ist jedoch hoch.
AutorenprofilErstelle auf relevanten Webseiten bzw. in Foren ein Profil, um mit Lesern zu interagieren und dein Buch anzuwerben.Das Erstellen ist einfach und kostenfrei, auch die Interaktion ist zeitlich nicht unbedingt aufwendig.
AbreißzettelDiese Strategie wurde bereits angesprochen. Es ist immer gut etwas Überraschendes zu tun, das Aufmerksamkeit auf dich zieht.Zwar musst du fast kein Geld investieren, aber deutlich mehr Zeit.
ZeitungenKontaktiere Zeitungen oder direkt Journalisten und bitte um einen kleinen Artikel über dein Buch. Nachfragen kostet nichts!
Manche sind bereit etwas zu schreiben ohne Geld zu verlangen, aber auch wenn du Geld investieren musst, ist es doch eine gute Möglichkeit, um potentielle Leser anzusprechen.

Neben der Korrektur und dem Marketing musst du dir auch Gedanken über das Buchcover machen.

Don’t judge a book by its cover.George Eliot's The Mill on the Floss (1860)

Ein ansprechendes Cover begeistert viele Leser, auch wenn die meisten sich nicht beeinflussen lassen wollen. Doch gerade neue Autoren müssen in diesem Bereich überzeugen. Wenn der Autorenname unbekannt ist, der Klappentext nicht sofort überzeugt und dann noch das Cover schlecht ist. Also dieses Buch kaufen dann doch nur Freunde und Familie. Entweder gestaltest du das Cover selbst, es gibt durchaus Programme die dir dabei helfen, oder du lässt es gestalten. Die Kosten liegen meist zwischen 50-150€, in die du auch unbedingt investieren solltest.

Aber es gibt einen kleinen Haken. Bereit dafür?

Obwohl Selbstveröffentlichung durchaus seine Vorteile liefert, ist es fast nur möglich, dein Werk in Form eines e-Books zu veröffentlichen. Dies erleichtert dir die Veröffentlichung und kostet bei den meisten Plattformen nichts. Bei manchen Online-Händlern ist auch hier die Honorarzahlung fester Bestandteil, jedoch ist diese nicht verhandelbar. Bist du in der Lage ein paar erfolgreiche e-Books zu veröffentlichen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit von einem Verlag übernommen zu werden.

Self-publishing Druckerei
Self-publishing Druckerei (Quelle: andreas160578 / pixabay.com)

Möchtest du aber von vornherein auch gedruckte Bücher liefern, dann kannst du z.B. Print-on-Demand Webseiten nutzen. Diese drucken ein Buch, sobald ein Kunde es haben möchte. Die Preise dafür sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich, auch haben manche Zusatzklauseln, die du bei der Recherche beachten solltest. Eine andere Möglichkeit ist natürlich, dass du sofort bei einer Druckerei mehrere Exemplare druckst. Das lohnt sich vor allem, wenn du Leserunden abhältst oder Gewinnspiele startest. Meist ist der Preis günstiger als bei Print-on-Demand Anbietern, aber eventuell bleibst du auf den Exemplaren sitzen.

Um dein Buch in die Buchläden zu kriegen, kannst du direkt Buchhändler anschreiben. Auch hier wird natürlich ein Honorar ausgemacht. Möchtest du es aber bequemer haben, Anderen überlassen dein Buch in den Handel zu kriegen, dann wird es deutlich teurer. Auch ist dies für neue Autoren bzw. Self-publisher fast unmöglich zu bewerkstelligen. Die meisten Dienste für dieses Unterfangen möchten nicht mit Neu-Autoren arbeiten.

Self-Publishing oder doch Verlag?

SELF-PUBLISHING
  • 100% Eigenbestimmung
  • Veröffentlichung des Buchs garantiert
  • Mehr Profit als im Verlag
  • 100% Eigenverantwortung
  • Faktoren Geld, Zeit und Aufwand teilweise stark ausfallend
  • Kein garantierter Erfolg trotz übermäßiger Eigeninvestition

Es ist besonders wichtig die Sache rational anzugehen.  Eine Selbstveröffentlichung kostet viel Energie, die zudem auch Geld verschlingt. Und egal wie viel Mühe und Herzblut investiert wird, ein Erfolg ist nicht garantiert. Aber das Werk, das du unbedingt veröffentlichen willst, kann per Self-publishing (im e-Book Format) auf die Leserwelt losgelassen werden.

VERLAG
  • Angenehmer, da weniger Verantwortung
  • Höhere Chancen auf Erfolg
  • Geringeres Honorar
  • Vertragsverpflichtungen (Eventbesuche, Leserunden o.ä.)
  • Änderungen des Buchinhaltes durchaus möglich
  • Geringere Mitbestimmung

Mit einem Verlag ist ein professionelleres Vorgehen in allen Phasen verbunden: Von einem Manuskript zum vollendeten Buch bis hin zur Veröffentlichung. Du sparst deine eigenen Kräfte und kannst gleichzeitig darauf vertrauen, dass ein Team nicht nur die Korrektur und das Design, sondern auch eine weitaus ausgedehntere Vermarktung übernimmt. Für diesen Komfort musst du natürlich auch einige Einschränkungen hinnehmen.

Schicke dein Manuskript an Verlage, aber traue dich auch gleichzeitig schon einmal Hebel in Bewegung zu setzen, um dein Buch selbst zu veröffentlichen!

Letztendlich weisen beide Varianten Aspekte auf, die für dich ausschlaggebend sein können. Es gibt aber noch einen „Mittelweg“, der nicht unbedingt weitläufig bekannt ist.

Falls das Self-publishing dir zu riskant erscheint, aber ein Verlag auch nicht in Sichtweite ist, dann gibt es Anbieter die aushelfen können und wollen. Diese übernehmen alle wichtigen Funktionen, wie z.B. das Korrekturlesen, die Buchcover-Gestaltung und die Marketingmaßnahmen. Im Gegenzug verlangen sie dafür natürlich Geld. Die Kosten liegen aber im vierstelligen Bereich, was sich natürlich nicht jeder leisten kann.

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